Neuromotorische Förderung – sinnvoll, wirksam, unterschätzt? Ein Blick aus der lerntherapeutischen Praxis
- Erika Weller

- vor 7 Minuten
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Ein Artikel über „irreführende Versprechen von Therapien“ motiviert mich, meine Erfahrungen hier zu teilen.
Ist neuromotorische Förderung unnütz und teuer? Verspricht sie zu viel? Oder kann sie bei Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwierigkeiten sinnvoll unterstützen?
Als Lerntherapeutin nach PäPKi® ist neuromotorische Förderung ein zentraler Bestandteil meiner Förderung – auch dann, wenn es um Lese-Rechtschreibschwierigkeiten oder Probleme mit Mathematik geht.
Zum besseren Verständnis möchte ich kurz meinen beruflichen Hintergrund beschreiben: Ich bin Erzieherin, Lerntherapeutin in eigener Praxis, Fachlehrerin an einem SBBZ, das integrativ an eine Grundschule angegliedert ist, und gebe seit vielen Jahren Förderkurse in Mathematik sowie Lese-Rechtschreibung für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 an einer Realschule.
Neuromotorische Förderung ist ein Konzept, bei dem die Bewegungsentwicklung des ersten Lebensjahres in angepasster Form noch einmal durchlaufen wird. Ziel ist es, die Bewegungsplanung zu fördern. Parallel dazu können sich neuronale Verbindungen weiterentwickeln, die eng mit der motorischen Entwicklung verknüpft sind.
Doch was bedeutet das konkret in der Praxis?
Lisa (11 Jahre, sportlich und intelligent) liest trotz guter schulischer Voraussetzungen sehr stockend. Durch regelmäßige Körperübungen verbessert sich ihre Blickmotorik deutlich. Ergänzend trainieren wir gezielt das Lesen. Nach 15 Behandlungseinheiten liest Lisa wesentlich flüssiger und kann ihre Hausaufgaben zunehmend selbstständig erledigen.
Max (13 Jahre) besucht die Gemeinschaftsschule, seine Versetzung ist gefährdet. Durch Körperübungen und passende Lernstrategien verbessert sich seine Gesamtsituation deutlich. Seine Leistungen stabilisieren sich, sein Selbstvertrauen wächst, und die Versetzung gelingt. Max absolvierte neun Behandlungseinheiten.
Leon (9 Jahre) fühlt sich beim Rechnen hilflos und überfordert. Mit Körperübungen und gezieltem Mathetraining beginnt er, mathematische Zusammenhänge besser zu verstehen. Natürlich müssen noch Lernlücken aufgearbeitet werden, doch er ist auf einem guten Weg. Seine Mutter sagt: „Hätten wir das nur früher erfahren.“ Leon nahm an zehn Behandlungseinheiten teil.
Maria und Sina (6. Klasse) kämpfen mit der Dezimalrechnung. Fehlendes Richtungsverständnis (Wo muss das Komma denn jetzt hin?) macht das Lernen unnötig schwer und erfordert unzählige Wiederholungen. Sven (5. Klasse) hat Schwierigkeiten, sein Geodreieck korrekt anzulegen. Die Orientierung im Raum fällt ihm schwer und lässt sich auch durch viele Erklärungen nur begrenzt kompensieren.
Nico (1. Klasse) erhält die Empfehlung, auf eine Förderschule zu wechseln, da er dem Unterricht kaum folgen kann. Nach acht Behandlungseinheiten haben sich seine Voraussetzungen deutlich verbessert. Sein Verbleib an der Grundschule ist gesichert.

Neuromotorische Förderung ist kein Wundermittel. Sie basiert auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen und setzt auf einfache, regelmäßige Übungen. Das tägliche Training dauert meist nur etwa fünf Minuten, erfordert jedoch Ausdauer, denn neurologische Entwicklungsprozesse brauchen Zeit und Wiederholung.
Gerade Schulkinder benötigen häufig zusätzlich gezieltes Lerntraining. Viele konnten dem Unterricht über längere Zeit nur eingeschränkt folgen und haben wichtige Lerninhalte verpasst. Deshalb geht es neben der Förderung der Grundlagen auch darum, Lernlücken zu schließen und geeignete Lernstrategien zu entwickeln. Die schulischen Fortschritte zeigen sich daher nicht immer sofort. Auch hier sind Geduld und Kontinuität gefragt.
Und die Kosten?
Regelmäßig biete ich kostenlose Informationsabende an. Eltern sollen die Möglichkeit haben, sich umfassend zu informieren: Was steckt hinter dem Konzept? Welche Ziele sind realistisch? Und welche Möglichkeiten der Förderung gibt es?
Kostengünstig: Die günstigste Variante ist das „Do-it-yourself“-Prinzip mit Hilfe eines Fachbuchs. Es enthält genaue Anleitungen, einen Förderplan sowie zahlreiche praktische Tipps auf über 100 Seiten. Für 21,99 Euro können Eltern die Förderung eigenständig umsetzen.
Gemeinsam geht es oft leichter: In meinen Online-Kursen unterstütze ich Eltern und pädagogische Fachkräfte dabei, eine individuelle Förderung alltagstauglich umzusetzen. Spielerische Elemente sorgen dafür, dass die Übungen leichter in den Familienalltag integriert werden können.
Therapie: In meiner Praxis gibt es keine langfristigen Verträge. Eltern entscheiden selbst, wie oft sie Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. Termine sind sowohl in Präsenz als auch teilweise online möglich. Auch hier steht die Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelpunkt. Deshalb reichen in vielen Fällen bereits acht bis zehn Behandlungseinheiten aus. Die Erstbehandlung kostet 99,00 Euro, jede weitere Einheit 49,00 Euro.
Ob neuromotorische Förderung für das Kind der richtige Weg ist, kann und sollte individuell geprüft werden. Jedes Kind ist anders, es gibt keine Patentrezepte. Eine faire Beratung und eine breite fachliche Kompetenz ist Grundlage einer gelingenden Förderung.
Wenn ein Kind sicherer liest, mathematische Zusammenhänge besser versteht, selbstständiger arbeitet und wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnt, dann hat sich der Aufwand gelohnt. Genau diese Erfahrungen motivieren mich jeden Tag in meiner Arbeit.



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