Altes Wissen neu entdeckt
- Erika Weller

- vor 21 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Drehen, kurbeln, reiben … Was früher mit den Händen erarbeitet wurde, erledigen wir heute bequem per Knopfdruck. Unser Leben ist dank moderner Technik einfacher geworden – und wir genießen diesen Komfort. Gleichzeitig nimmt jedoch die tägliche Übung der Feinmotorik immer mehr ab.
Doch nicht nur die Feinmotorik ist betroffen.
Wir beobachten, dass immer mehr Kinder selbst einfache Bewegungsfolgen – wie das Anheben des Kopfes oder Bewegungen im Kreuzmuster – nicht mehr sicher ausführen können. Das bleibt nicht ohne Folgen: Nicht nur die Bewegung selbst ist beeinträchtigt, sondern auch die damit verknüpfte neuronale Verarbeitung.
Im Ressort „Wissen“ der Tagesschau (11.03.2026) erschien dazu ein Artikel mit dem Titel „Der Einfluss von Feinmotorik auf das Gehirn“. Doch eigentlich handelt es sich dabei nicht um neues Wissen.
Bereits Paul Flechsig erkannte die Bedeutung der Myelinisierung für die Entwicklung des Gehirns. Auch das Ehepaar Bobath legte mit seiner Behandlungsmethode wichtige Grundlagen, indem es Bewegung in den Mittelpunkt stellte. Manfred Spitzer zeigt mithilfe bildgebender Verfahren, wie sich durch wiederholte Bewegungsabläufe bestimmte Areale im Gehirn verändern, und Dr. Bein-Wierzbinski konnte nachweisen, dass ein gezieltes Nachtrainieren frühkindlicher Bewegungsentwicklung zu einer Verbesserung räumlich-konstruktiver Fähigkeiten führt.
Was also tun?
Anstatt wehmütig zurückzuschauen, gilt es, konstruktive Wege für die heutigen Herausforderungen zu finden. Bewegungsentwicklung kann nachgeholt und gezielt vertieft werden.
Die neuromotorische Förderung orientiert sich dabei an der natürlichen Bewegungsentwicklung im ersten Lebensjahr. Viele dieser kleinen, aber wirkungsvollen Übungen sind uns nicht unbekannt – wir begegnen ihnen beispielsweise im Yoga oder in der Rückenschule. Neuromotorische Förderung ist daher nichts grundlegend Neues, sondern vielmehr eine Rückbesinnung auf bewährtes Wissen und lang etablierte Vorgehensweisen.
Neu ist jedoch, dass immer mehr Kinder auf diesem Weg Unterstützung benötigen.
Und wie könnte diese besser gelingen als mit Igel, Schnecke und Drehwurm? Denn eine spielerische Herangehensweise ist nachweislich der wirksamste Weg, Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten.
Ein herzliches Dankeschön an @aim-Innovative Bildung, @caritas_wuerzburg und @kita_akademie. Ich schätze es sehr, meine Kurse bei euch durchführen zu dürfen und mein Wissen mit so vielen engagierten Fachkräften teilen zu können. Die Zusammenarbeit ist für mich jedes Mal eine echte Bereicherung und trägt dazu bei, dass Kinder in ihrer Entwicklung gestärkt werden.



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