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ADHS – Medikamente für mehr Konzentration?

  • Autorenbild: Erika Weller
    Erika Weller
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 18 Minuten

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ADHS gehört zu den häufigsten Diagnosen im Kindesalter – und die Zahl der Verschreibungen von Medikamenten wie Ritalin (Methylphenidat) steigt seit den 1990er Jahren rasant an. Viele Eltern fragen sich: Brauchen Kinder mit ADHS wirklich Medikamente, um ihre Konzentration zu fördern? Oder gibt es auch Alternativen zu Ritalin, die den Alltag von Kindern und Familien erleichtern können?


Während Fachleitlinien zunächst eine psychosoziale Behandlung empfehlen, erleben wir in der Praxis eine andere Realität: Medikamente stehen häufig im Vordergrund. Doch immer mehr Eltern suchen nach ergänzenden Wegen, die ihrem Kind helfen, innere Ruhe und Aufmerksamkeit zu entwickeln.

In diesem Artikel zeige ich, warum die Diskussion um ADHS und Medikamente so brisant ist, welche Empfehlungen es gibt und wie kleine körperliche Übungen im Alltag die Konzentrationsfähigkeit nachhaltig unterstützen können.

 

ADHS und Medikamente – was die Leitlinien sagen

Ein Blick in die medizinischen Empfehlungen zeigt: Medikamente sind nicht automatisch die erste Wahl. Die Gelbe Liste, eine anerkannte Fachdatenbank für Arzneimittel, fasst die Leitlinien so zusammen:

  • Leichte ADHS: empfohlen wird primär eine psychosoziale, (inklusive psychotherapeutische) Behandlung.

  • Mittlere ADHS: je nach Situation soll individuell zwischen psychosozialer Therapie, Medikamenten oder einer Kombination entschieden werden.

  • Schwere ADHS: nach intensiver Psychoedukation wird primär eine medikamentöse Behandlung empfohlen, ergänzt durch psychosoziale Maßnahmen.

Die entscheidende Frage lautet: Werden diese Kriterien in der Praxis wirklich konsequent umgesetzt – oder verschiebt sich der Fokus immer stärker hin zu Medikamenten?

 

Warum steigt die Zahl der Verschreibungen so stark?

Daten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie Krankenkassen wie AOK und Barmer zeigen: Die Verordnungen von Methylphenidat haben seit den 1990er Jahren kontinuierlich zugenommen.

Doch woran liegt das?

  • Sind mehr Kinder betroffen als früher?

  • Oder erkennen wir ADHS heute einfach häufiger?

  • Oder greifen Eltern und Ärzte schneller zur Tablette, weil andere Angebote fehlen?

Diese Fragen sind noch nicht abschließend beantwortet. Klar ist jedoch: Die gesellschaftliche und schulische Erwartung an Konzentration und Leistungsfähigkeit hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.

 

ADHS Therapie: Medikamente verfügbar, Alternativen gesucht

Der britische Psychologe Prof. Edmund Sonuga-Barke (King’s College London) betont:

„Trotz Fortschritte in unserem wissenschaftlichen Verständnis von ADHS hat sich in Bezug auf die Behandlung seit Jahrzehnten wenig geändert. Es fehlt nach wie vor an wirksamen Alternativen zur medikamentösen Behandlung der Kernsymptome.“

Andere Fachquellen heben hervor, dass Medikamente helfen können, wenn ADHS zu massiven Problemen führt:

„Wenn ADHS zu Schwierigkeiten im Alltag oder in der Schule führt, können Medikamente eine wichtige Stütze sein.“

Das zeigt: Medikamente können sinnvoll sein – aber sie sollten nicht der einzige Weg bleiben.

 

ADHS und Konzentration fördern – welche Alternativen gibt es?

Eltern fragen mich in der Praxis oft: „Und das soll wirklich helfen?“ – gemeint sind einfache körperliche Übungen, die Kinder regelmäßig im Alltag durchführen können.

Die Erfahrung zeigt: Schon fünf Minuten tägliche Übungen können spürbare Veränderungen bewirken. Viele Eltern berichten nach einigen Wochen, dass ihr Kind ruhiger, konzentrierter und ausgeglichener wirkt.

Diese Übungen fördern wichtige Basiskompetenzen für den Schulalltag:

  • Feinmotorik → Grundlage für flüssiges Schreiben

  • Augenmotorik → Voraussetzung fürs Lesen und Textverständnis

  • Körperhaltung → unterstützt Selbstregulation und Ausdauer

Wenn diese Grundlagen gestärkt werden, stehen mehr Ressourcen für Aufmerksamkeit und Lernprozesse zur Verfügung. Die Noten verbessern sich nicht automatisch – doch Kinder gewinnen spürbar mehr Ruhe, Energie und Selbstvertrauen.

Viele Eltern sind überrascht: „Dass wir mit so kleinen Impulsen so große Fortschritte sehen, hätten wir nicht gedacht.“


Fazit: Medikamente sind nicht die einzige Lösung

Medikamente können – besonders bei schwerer ADHS – eine wichtige Unterstützung sein. Doch sie sind nicht die einzige Antwort.

Betroffene Kinder brauchen vor allem Verständnis und verlässliche Begleitung. Kleine Körperübungen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und entfalten gerade durch ihre spielerische Herangehensweise eine große Wirkung: Förderung findet in einem positiv-konstruktiven Rahmen statt – ohne Druck, dafür mit Freude.

So wird deutlich: ADHS verlangt nach einem breiten Blick – nicht nur auf Symptome, sondern auf die ganze Entwicklung des Kindes.


Quellen und weiterführende Informationen

1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Daten zu Methylphenidat-Verordnungen und Zulassungseinschränkungen.

2. Deutsches Ärzteblatt – Fachartikel zur Versorgung von Kindern mit ADHS in Deutschland.

3. Robert Koch-Institut (RKI) – Berichte zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

4. GKV-Arzneimittelindex / Barmer / AOK – Reports zu Medikamentenverordnungen bei gesetzlich Versicherten.

👉 AOK-Arzneimittelreport

5. Gelbe Liste – Datenbank mit Fachinformationen zu über 110.000 Arzneimitteln.

6. ZI Mannheim – Hinweis: Neurofeedback bei ADHS möglicherweise nicht wirksam (abgerufen am 24.08.2025).

7. Allgemeine Recherchen zum Thema „Medikamente bei ADHS“ (abgerufen am 25.08.2025).

 
 
 

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